Mehrdeutige Wörter

Aus Gutes Deutsch
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Selten gibt es Wörter, die im selben Zusammenhang widersprüchliche Bedeutungen haben.

Beispiele

  • Der Bauer sagt zu seinem Sohn: Ich gehe zur Alm. Wenn Regen kommt, dann sei bitte so gut, daß du den Heuhaufen mit der Plane abdeckst. Wenn der Regen vorbei ist, kannst Du die Plane vom Heuhaufen wieder abdecken.
  • kontrollieren heißt
  1. überprüfen   sowie
  2. steuern (z.B. remote control (RC) = Fernsteuerung)

Des weiteren gibt es die berühmten Teekessel: Wörter, die mehrere unabhängige Bedeutungen haben, die einander aber eher nicht stören:

  • der Bauer und das Bauer,
  • die Kunde, der Kunde
  • die Säule und das Säule (schwäbisch),
  • Schimmel und Schimmel,
  • Rasen und Rasen
  • Lache und Lache
  • Lärche und Lerche
  • Tenor und Tenor
  • Pole und Pole („Welche Staatsangehörigkleit hat der Weihnachtsmann?“ – „Nordpole.“)
  • Weg und weg
  • umfahren und umfahren

und sicherlich viele Fachwörter, etwa

  • Fuge und Fuge
  • Blume, Blume und Blume
  • Überhaupt die Jägersprache: Anstand, Büchse, Löffel, Lampe, Bache, Frischling, Blume,

usw. – doch sind dies eher seltenere Beispiele, gut für Sprachspiele auf Kindergeburtstagen.

  • Und: Das ...ei und die ...ei (????)

Wissenswert ist, daß Wörter in ihren dicht beieinander liegenden Bedeutungen unterschiedlich sind je nachdem, welches Geschlechtswörtlein (Artikel) wir davorsetzen:

  • der Verdienst, das Verdienst,
  • der Moment, das Moment,
  • der Primat, das Primat (auch: der Primat)

Manche Wörter haben recht locker mehrere Bedeutungen, die einander kaum stören, weil sie weit auseinander liegen:

  • Der Dichter drechselte einen besonders scharfsinnigen Satz.
  • Der Tischler drechselte einen Satz Kerzenständer.
  • Der Frosch machte eine langen Satz ins Wasser hinein.
  • Kaffeesatz

Viele Wörter werden segensreich in mehrerlei Umgebung benutzt:

  • Bett, Kinderbett, Flußbett, Gleisbett, Nagelbett

Bei manchen Begriffen scheuen sich die Leute, die richtigen Ausdrücke zu verwenden.

  • Ein Brief ist ein Brief, ob er nun auf Papier, Birkenrinde, ob mit oder ohne Verschlüsselung und PDF auf dem Bildschirm oder sonstwie daherkommt. Wenn er allerdings auf selbstbezahltem Thermopapier oder Normalpapier eintrifft, nachdem er elektrisch-digital übermittelt wurde, nennen die Menschen ihn plötzlich Fax oder Fernbild. Wenn er nur auf dem Bildschirm kommt, nennen die meisten Leute ihn mail (und schrecken nicht zurück, das Wort Mehl zu überdecken).
    Wenn der Brief wichtig klingen soll, heißt er Schreiben.
  • Ein Telefon ohne Schnur ist ein Schnurloses, sofern es eine Reichweite bis ungefähr 100 Meter hat.
    Wenn die Reichweite größer ist, heißt es Händi oder Funke; auf englisch, nein, nicht handy, sondern cellphone oder irgendwas mit mobile. Wenn bei einem solchen Telefon der Bildschirmfläche Bierdeckelgröße erreicht, heißt es plötzlich smartphone. Wenn es an die Wand geschraubt ist, nennt man es auch Fernsprecher. Wenn es im Auto eingebaut ist (und nur eingebaut ist es zulässig), heißt es Freisprecheinrichtung.
    – Die Menschen achten sehr darauf, je nach Bildschirmgröße und Reichweite den Namen zu verwenden, mit dem sie am wenigsten auffallen.

Entgegengesetzte Doppelbedeutungen

Und dann gibt es diese kranken Wörter:

  • Aufgabe und Aufgabe: Der Bundeskanzlerin liegt die Aufgabe des Staatserhaltes am Herzen.
  • Ausbau und Ausbau; (Deutschlandfunk-Nachrichten: „Aufgabe der neuen Mannschaft auf der Weltraumstation ist der Ausbau der Energieversorgung.“ (o.s.ä.) (Klare Sache: die Akkus ausbauen und bei eBay verticken.)
  • abdecken und abdecken: Der Sturm hat das Dach abgedeckt; nun muß der Dachdecker es mit Plane abdecken.

Auslöschung durch Überdeckung

  • Mehl und mail (besseres Wort: Netzpost)
  • links und links (besseres Wort: Verweise)
  • Block und blog (bessere Wörter: Netzbericht, weblog)
  • Tag und tag (bessere Wörter: Stichwort, Schlagwort)

Orwellscher Wortmißbrauch

  • Verteidigungsminister
  • Anrufbeantworter

Grundregel

Ansonsten scheint es so, als wenn zur deutschen Sprache eine Regel gehört, daß, wenn ein Wort bereits eine klare Bedeutung hat, die Sprachenutzer es ablehnen, dieses Wort sodann mit einer ganz anderen (oder aber auch etwas anderen) Bedeutung zu verwenden. Wer es mit einer etwas anderen oder erweiterten Bedeutung verwendet, wird als mutig oder unangepaßter Chaot oder als gar als Sprachschöpfer angesehen. Oder (zum Glück recht selten) als Sprachpantscher.